Tortura sanas- die heilsame Folter




Medizin:


Die Medizin im Mittelalter beruhte auf einer Mischung von praktischer Erfahrung und überliefertem Wissen, von Glaube und Aberglaube. Man setzte vor allem auf die Wirkung von Pflanzen, die den Menschen wieder ins Gleichgewicht bringen sollte.


Großen Einfluss schrieb man den Sternen und Gott zu und man hielt die Menschen zum Beten an.


Den meisten schweren Krankheiten und Verletzungen standen die Menschen hilflos gegenüber, deshalb empfanden sie die Genesung als Wunder.


Erst als Ende des  12. Jahrhunderts der "Kanon der Medizin", ein Buch des arabischen Arztes Ibn Sina (Avicenna), nach Europa gelangte, war die Grundlage für eine stärker wissenschaftlich orientierte Medizin geschaffen. Nun entstand die Medizin als eigener Forschungszweig, der auch an den aufkommenden Universitäten gelehrt wurde.

 


 

Krankheiten:


Häufige Hungersnöte und eine unausgewogene Ernährung schwächten den Körper. Kalte, zugige und feuchte Stuben förderten Erkältungen und Durchfallserkrankungen.


Da man nicht wusste, dass  Verletzungen desinfiziert werden müssen, führten sie oft zu Wundbrand und Tod!


An den zahlreichen Krankheiten starb die Hälfte der Bevölkerung schon im Kindesalter, viele Menschen wurden nicht älter als 40 Jahre!

Erkrankungen wie Krebs, Schlaganfall oder Herzinfarkt, die meist erst in höherem Alter auftreten, gab es kaum(oder man erkannte diese nicht als die Krankheit wie wir sie heute kennen).


Die schlimmste Krankheit damals aber war die Pest! An ihr starben fast ein Drittel (!)  aller Menschen.


Weil bei der Beulenpest überall am Körper kleine schwarze Beulen entstehen, nannte man sie auch den "Schwarzen Tod". Die Pest wurde durch Flöhe infizierter Ratten übertragen. Dieser Zusammenhang war den Menschen damals aber unbekannt, denn sie wussten nichts über Krankheitserreger und Ansteckungsgefahren.Auch die Hygiene wurde damals nicht sonderlich geachtet.


Der Begriff "Pestilenz" wurde auch für andere Krankheiten verwendet, sodaß nicht genau gesagt werden kann, ob wirklich "alle" an der Pest gestorben sind!


Die Krankheiten wurden damals auch noch ganz anders benannt als wir sie heute bezeichnen. Eine kleine Auswahl hier:


Interessante Krankheitsbezeichnungen

 

 


Hygiene:


Im Mittelalter achtete man auch noch nicht sehr auf Hygiene. Einmal am Morgen mit kaltem Wasser über Gesicht und Hände, war Körperpflege genug!


Für mehr hatten die meisten Menschen auch weder Zeit noch Sinn. Alle paar Wochen oder Monate ein Bad war das höchste der Gefühle. Dann stieg die ganze Familie nacheinander in den Badezuber ins gleiche Wasser - das Familienoberhaupt zuerst. ( Daher kommt auch der Begriff:" etwas ausbaden").


Oder aber, man ging in ein Badehaus, was aber nicht der Hygiene- sondern eher der Lustbefriedigung galt.


Die Wohnstuben wurden zwar gefegt und fauliges Stroh in den Matratzen gewechselt, die Räume oft mit duftenden Kräutern bestreut, aber in den Strassen sammelten sich Schmutz und Unrat: der perfekter Nährboden für Krankheiterreger!


Auch waren Menschen mit Geschwüren und körperlichen Gebrechen, Blinde und Lahme damals ein weit häufiger Anblick als Heute. Wunden desinfizieren/ sterilisieren wurde damas als unnötig angesehen, man forcierte sogar die Eiterbildung indem man noch tierische Haare in die Wunden "einarbeitete" um die "schlechten/ üblen Säfte auszuleiten.


 

 


Krankenhäuser:


Für die Pflege der Alten und leicht Erkrankten war in erster Linie die Familie zuständig. Schwerkranke wurden schon im frühen Mittelalter von Mönchen oder Nonnen in den Räumen des Klosters behandelt.


Später wurden in den größeren Städten von den Zünften und reichen Kaufleuten Krankenhäuser gegründet und oft als Dank für ihre eigene Genesung von einer schweren Krankheit gespendet. Als Dank für die Fürsorge hatten die Patienten für das Seelenheil des Spenders zu beten.

Leprakranke, die so genannten Aussätzigen, wurden in Häusern oder Hütten - "Siechenhäuser"-( siehe Bild 1)  außerhalb der Ortschaften untergebracht. Mit einer Holzklapper mussten sie die Gesunden vor ihrem Kommen warnen.


Gab es Nachrichten von Seuchen, mussten die Reisende oft erst einige Tage in einem Haus vor den Mauern der Stadt verbringen. Erst wenn sie diese Quarantäne ohne Anzeichen von Krankheiten überstanden hatten und dies von Ärzten schriftlich in einem "Schaubrief" bestättigt wurde, durften sie die Stadt betreten.


 

 


Ärzte:


Die ersten Ärzte waren Mönche und Nonnen, die versuchten, praktische Erfahrungen mit Kenntnissen aus antiken Schriften zu verbinden.


An Universitäten wurden später auch hoch gelehrte Doktoren ausgebildet, die an die Krankenbetten der Mächtigen und Reichen gerufen wurden. Aber auch die berühmten " doctores" hatten über lange Zeit kaum mehr Hilfs- und Heilmittel als die "gewöhnlichen" Wundärzte, die oft auch als "Barbiere" tätig waren, also als Bart- und Haarschneider, sowie als Zahnzieher oder im Militär als Feldscher.


Die Ärzte glaubten, dass im Menschen vier Körpersäfte kreisten, die miteinander im Gleichgewicht sein müssen. Bei Krankheiten waren diese Säfte im Ungleichgewicht und daher wurden Aderlass, Schröpfen und das Setzen von Blutegeln als beliebteste Mittel eingesetzt um dieses Ungleichgewicht wieder herzustellen. Zur Diagnose diente oft und gerne die Harnschau. Am Urin konnte man z.B. "ablesen" ob der Patient an einer Infektion litt ( trüber, weißlicher Urin).


Bei chirurgischen Eingriffen gab es fast keine Narkose! Die uns bekannten Narkosemittel waren damals noch nicht alle bekannt und die Kirche wollte diese auch unterbinden, denn sie war der Meinung, daß Gott die Krankheit und die damit verbundenen Schmerzen als Prüfung oder als Strafe geschickt hatte und der Patient es somit "aushalten" mußte !!!


Ausnahmen gab es, wenn der Arzt oder Chirurg im Besitz eines Schlafschwammes war, der wurde mit Opium, Alraune oder/und Schierling getränkt. Eher flösste man dem Patienten meist so viel Alkohol wie möglich ein und ließ ihn in ein Holzstück beißen.


Ursprünglich waren auch viele Frauen in Heilberufen tätig. Gelehrte Nonnen wie Hildegard von Bingen hatten als Ärztin einen großen Ruf.

Die Hebammen in den Dörfern waren auch für Krankheiten zuständig; sie verstanden sich auf die Naturmedizin und alte Heilriten. Heilkundige Frauen hielt man jedoch leicht der Zauberei fähig und während der Hexenverfolgungen, die am Ende des Mittelalters einsetzten, endeten viele von ihnen auf dem Scheiterhaufen! Somit ging auch leider

viel " Altes Heilwissen" verloren.